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Manchmal kommt es vor, daß man auf Themen, die in einen Beitrag in PHOTO Deal münden, durch Zufall stößt. Auch mir ist das schon das eine ums andere Mal so gegangen, als ich in meinem Archiv auf der Suche nach Texten oder Illustrationen war, um vorliegende Manuskripte mit zeitgenössischem Material zu ergänzen.
Ein Beispiel für so einen Fall, der zu einem Beitrag in der aktuellen Ausgabe führte, ist der über die Firma Contessa von Gernot Förster. Er geht darin einer interessanten Frage nach, die sich hinter einer eher unscheinbaren Formulierung in dem historischen Contessa-Katalog verbrigt. Da führt es das 1908 gerade gegründete Unternehmen als Vorteil gegenüber den Mitbewerbern an, lediglich ein Kameramodell in vier Varianten anzubieten, um den geneigten Kaufinteressenten durch eine andernorts übliche, überbordende Modellvielfalt nicht zu überfordern. Doch relativ kurze Zeit später widerspricht man sich selbst, indem man genau das verwirrend umfangreiche Angebot der zeitgenössischen Konkurrenten übernimmt.
Viele andere Leser des besagten Katalogs hätten die Aussage entweder übersehen oder sich zumindest nichts dabei gedacht, schon gar nicht wären sie auf die Idee gekommen, daß dies Stoff für einen Beitrag abgeben könnte. Doch die von Gernot Förster aufgeworfene Frage, ob diese ausufernde Angebotsvielfalt nicht nur überflüssig, sondern gar gefährlich, wenn nicht tödlich für ein Unternehmen ist, stellte sich nicht nur vor 100 Jahren, sie ist unverändert aktuell. Sie wird von Marketing-, Vertriebs- und Produktmanagern intensiv erforscht, um die nötige Balance zwischen einer im Sinne des Kunden wünschenswert breiten Produktpalette und Wirtschaftlichkeit im eigenen Interesse zu treffen.
Wie brisant die unglaubliche Menge von Modellvarianten damals war, sieht man an der Vielzahl von Firmenzusammenschlüssen zu Anfang des 20. Jahrhunderts. Man hatte sich hoffnungslos verzettelt und mit diesem doch im Hinblick auf den Kunden gutgemeinten Angebot selbst heillos überfordert. Man wollte jedem alles bieten, doch die Kosten durch die viele tausend Arbeitskräfte erfordernde Produktion fraßen die Unternehmen auf. Von der Logistik, wie man heute sagen würde, all diese Einzelteile zu bevorraten und zu verwalten, ganz zu schweigen. So war es unausweichlich, daß nach einer wenige Jahre zuvor erfolgten Fusion schon relativ kurze Zeit später der nächste Zusammenschluß notwendig wurde – denn das Grundübel wurde auch in den neuen Firmenkonglomeraten nicht beseitigt. Ganz im Gegenteil: die Vielfalt wurde gegen jede Vernunft über Jahrzehnte hinweg fortgesetzt oder gar noch ausgeweitet, bis irgendwann keine Fusion, sondern nur noch eine Pleite helfen konnte.
Daß Verbraucher überfordert sind, wenn sie in einem Supermarkt vor einem unüberschaubaren Angebot stehen und im Zweifelsfall eher weniger oder gar nichts statt mehr kaufen, ist in Untersuchungen eindeutig belegt worden. Bis zu den zahlreichen Media- und Baumärkten, die uns tagtäglich mit Werbung in allen Medien zumüllen und vorzugsweise auf ruinösen Preisen herumreiten, scheint sich das noch nicht herumgesprochen zu haben.
Doch Gernot Försters Beitrag hat noch einen weiteren Aspekt zu Tage befördert: auf der Suche nach Kameras aus dem Hause Contessa sowohl in Sammlungen als auch zeitgenössischen Publikationen tat sich uns beiden eine große Lücke auf: Nettel-Kameras: ja, solche von Contessa-Nettel noch mehr – aber von Contessa? Fehlanzeige. Wo sollen all die abertausenden Contessa-Kameras geblieben sein, die angeblich gefertigt wurden? Vielleicht steckt hinter der aus Sammlersicht harmlos daherkommenden Frage mehr als uns jetzt bekannt ist.
Wenn Ihre Sammlung zur Klärung etwas beisteuern kann, würden wir uns freuen.
Herzlichst Ihr
Rudolf Hillebrand
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Heft IV / 2010 erscheint Anfang Oktober 2010.

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